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Presse - Patenschaft ist keineswegs einseitig
PROJEKT Lesepaten bekommen von ihren Schützlingen emotional viel zurück – Verstärkung gesucht
![]() Christa Wachtendorf (links) verteilte die neu erworbenen Spiele und Bücher für die Lesepaten am Dienstag im Rathaus an Vertreterinnen der fünf beteiligten Schulen. BILD: WOLFGANG LOEST |
| DAS FREIWILLIGENFORUM ORGANISIERT DAS VORHABEN. ES GIBT NOCH BEDARF AN WEITEREN MITSTREITERN. VON WOLFGANG LOEST GANDERKESEE - „Das Projekt zieht Kreise, die wir anfangs nicht vorhersehen konnten“, konstatierte Christa Wachtendorf vom Ganderkeseer Freiwilligenforum „Mach mit“, als sie am Dienstag im Rathaus neues Material an die Lesepaten verteilte. Das 2007 gestartete Projekt ist bei Kindern mit Leseschwäche und deren Lehrern, aber auch bei den Lesepaten auf äußerst fruchtbaren Boden gefallen. An der Haupt- und Realschule Ganderkesee sowie an den Grundschulen Habbrügge, Lange Straße, Bookholzberg und Schierbrok sind derzeit insgesamt 35 Lesepaten im Einsatz. „Wir können noch mehr Freiwillige gebrauchen. Die Nachfrage ist vorhanden“, sagte Christa Wachtendorf. „Nicht richtig lesen zu können, ist eine Hypothek, die Kinder ihre ganze Schulzeit über belastet“, weiß Maike Bagun, Lehrerin an der Haupt- und Realschule in Ganderkesee. Die Lesepaten seien ein regelrechter Schatz, weil sie die betreffenden Kinder individuell betreuen und ganz konkret auf deren Schwächen eingehen. Gerade bei älteren Schülern sei es wichtig, dass der Funke der Begeisterung fürs Lesen überspringt. Und bei Kindern von Migranten komme hinzu, dass oft auch Begriffsklärungen notwendig sind, damit die Schüler den Text überhaupt verstehen. „Da Förderstunden immer wieder gestrichen werden, können wir Lehrer das gar nicht mehr leisten“, bekräftigte Klaus Stalling, Lehrer an der Grundschule Bookholzberg. Angesichts eines relativ hohen Anteils an Kindern mit Migrationshintergrund sei die Arbeit der Lesepaten von größtem Wert, denn nach Möglichkeit sollten die Lese-Probleme in der Grundschule behoben werden. Lisa Wachtendorf engagiert sich seit gut einem Jahr in Bookholzberg als Lesepatin – und ist völlig begeistert. Sie betreut eine Viertklässlerin, die inzwischen auch Zuhause liest und sich sogar auf die Klassenfahrt ein Buch mitgenommen hat. Und sie ist so begeistert, dass sich inzwischen eine Schulfreundin eingeklinkt hat und ebenfalls mit zur Lesepatin kommt. „Es ist einfach eine Freude, dass zu erleben“, so Lisa Wachtendorf. Von ähnlichen Erfahrungen berichtete auch Sigmund Luther, der als Lesepate an der Grundschule Habbrügger Weg tätig ist. Für Rita Wieneke, Leiterin der GS Lange Straße, liegt der Erfolg der Lesepaten unter anderem darin, dass ihr Verhältnis zu den Kindern völlig unbelastet ist. In der Schule hingegen gebe es den Druck durch die gestellten Anforderungen. Und in der Familie sei die Unterstützung beim Lesenlernen häufig emotional belastet. Den Lesepaten gelinge es auch, Interesse für Sachthemen zu wecken. Lerntherapeutin Eltje Fricke, Motor der Elterninitiative Legasthenie, verwies auf gute Hilfestellung durch Medien. „Die Kinderzeitung der NWZ ist ganz hervorragend geeignet“, so ihr Fazit. Sie unterstützt nicht nur das Projekt Lesepaten, sondern gibt Eltern den Rat, ihren Kindern vorzulesen. „Das stärkt die Vorstellungskraft ganz erheblich.“ |

