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a) „Frau Regierungsrat“ und ihr „Mädchen für alles“
- Durch Erbe oder Heirat konnte man zu den besseren Kreisen in einer Stadt gehören (z.B. Beamte, Offiziere).
- Elegante Kleider für die Damen, Matrosenanzüge für die Jungen, Hemden mit Vatermörder zum Anzug für die Männer, Opernbesuche, Kutschfahrten zeigten den Unterschied zu „den anderen“.
- Mit feinsten Abendgesellschaften ließ sich sogar die Karriere des Mannes fördern.
- Die großbürgerliche Familie lebte in herrschaftlichen Räumen mit stilvoller Einrichtung und gepflegtem Ambiente.
- Ein Kindermädchen nahm der Dame des Hauses die anstrengende Kindererziehung ab.
- Bereits 13- bzw. 14-jährige Dienstmädchen zeichneten für den Hausputz, die Wäsche, das Essen, die Bedienung der bürgerlichen Familie verantwortlich.
- Wie die von 1810 bis 1918 geltende Gesindeordnung zeigt, wurden die Dienstmädchen fast wie Haussklaven gehalten.
- Dienstmädchen besaßen häufig nur eine Schlafgelegenheit im sogenannten Hängeboden unter der Küchendecke und ihnen wurde bei Geldknappheit die Essensration reduziert.
- Dienstmädchen fanden kaum Ruhephasen und mussten den Herrschaften von früh morgens bis spät abends zur Hand gehen.
- Selbst bei den Hauseingängen wurde klar zwischen dem für Herrschaften und Dienstboten unterschieden.
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b) Deutschland wird Industrieland
- In Preußenentwickelte sich ab 1850 die Industrialisierung am schnellsten.
- Oberschlesien,das Ruhrgebiet, das Aachener Revier und das Saargebiet wurden Zentren desKohlebergbaus und der Eisenindustrie.
- Innerhalb von nur50 Jahren verdoppelte sich die Einwohnerzahl von Industriestädten.
- Da die Arbeiternah am Arbeitsplatz wohnen sollten, entstanden zahlreiche Arbeitersiedlungen.
- Zwischen 1870 und1913 versechsfachte die deutsche Industrie ihre Produktion und wurde z.B.weltweit führend bei künstlichen Farben.
- Erfindungen vonWerner von Siemens (Elektrodynamo) oder Thomas Edison (Glühlampen) lösten balddie Dampfkraft ab.
- England versuchteseine Produkte mit der Forderung zu schützen, dass DeutschlandsIndustrieprodukte das Label „Made in Germany“ tragen sollten, was bald zumMarkenzeichen wurde.
- Nach England,Frankreich und den USA begann Deutschland als 4. Land um 1850 mit derIndustrialisierung und bot ab 1950 Industriewaren für den größten Teil derBevölkerung.
- Z.B. dieWollspinnereien im 19. Jh. waren gesundheitsschädigende Arbeitsplätze.
- Zu Beginn des 20.Jhs lebten in Deutschland 67 Millionen Einwohner und davon strömten immer mehrin die Städte, denn Mannesmann beschäftigte bereits 15000, Thyssen 30000 undKrupp 73000 Arbeiter.
- Das „Jahrhundertdes Dampfes“ war durch das „Zeitalter der Elektrizität“ abgelöst worden, inBerlin fuhren seit 1881 sogar elektrische „Omnibusse“.
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c) Arbeiter kämpfen für soziale Gerechtigkeit
- Ab dem 1. Mai 1890 gab es Massendemonstrationen, um auf die sozialen Probleme der Industrialisierung (Kinderarbeit, lange Arbeitszeiten, schlechte Wohnverhältnisse, Verelendung der Arbeiterschicht) aufmerksam zu machen.
- Vor den Werkstoren gab es genügend Arbeitssuchende, sodass die Hungerlöhne noch weiter gesenkt wurden.
- Die Einführung neuer Maschinen machte Arbeitskräfte überflüssig.
- Den ersten gewalttätigen Aufstand führten die hungernden Weber aus Schlesien gegen die in Villen lebenden Fabrikanten durch.
- Arbeiter organisierten sich in Arbeitervereinen, die z.B. Notkassen einrichteten und so immer mehr Anhänger fanden, so dass die Behörden Streikverbote aufheben und Gewerkschaften zulassen mussten.
- Der 1863 gegründete Allgemeine Deutsche Arbeiterverein schloss sich 1875 mit der 1869 gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei zusammen; ab 1890 nannten sie sich SPD.
- Bismarck reagierte auf die von vielen Politikern und Unternehmern misstrauisch beäugten Sozialdemokraten mit dem Sozialistengesetz, was aber 1890 aufgehoben werden musste.
- Mit Sprüchen wie „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ oder „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.“ schlossen sich die Arbeiter bei Verfolgung immer enger zusammen.
- August Bebel (SPD) mahnte 1900 die Arbeiter, dass sie nur in der Gewerkschaft das Lebensnotwendige für die Arbeiter durchsetzen könnten.
- Solidarisch könnten Arbeiter menschenwürdige Zustände in den Betrieben, Verkürzung der Arbeitszeit, Rechtsschutz und Arbeitslosenunterstützung durchsetzen!
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d) Frauen auf dem Weg zur Emanzipation
- Am 19. März 1911 fand der erste Internationale Frauentag statt.
- Frauen forderten ein neues Arbeitsgesetz mit einem Achtstundentag, gleichem Lohn für gleiche Arbeit, ausreichenden Mutter- und Kinderschutz, festgeschriebene Mindestlöhne sowie Wahl- und Stimmrecht.
- Wegen des niedrigen Lohns der Männer arbeiteten die Frauen häufig an deren Seite in der Fabrik zu noch geringerem Lohn (die Hälfte bis ein Viertel des Lohns der Männer).
- Verheiratete Frauen verrichteten nach einem 11 bis 14 Stunden Tag noch die Hausarbeit und sorgten für ihre Kinder.
- Proletarische Frauenbewegungen (Luise Otto-Peters) forderten Volksschulen auch für Mädchen.
- Im Allgemeinen Deutschen Frauenverein von 1865 forderte man für Mädchen und Frauen aus der Mittelschicht die gleichen Bildungs- und Berufschancen.
- Seit 1869 sprachen die Sozialdemokraten vom Wahlrecht für Frauen, nahmen es 1891 in ihr Programm auf, doch erst am 12. November 1918 stand es in der (Weimarer) Verfassung.
- Das Preußische Vereinsrecht von 1850 – 1908 verbot die Teilnahme von Frauenpersonen, Schülern und Lehrlingen an politischen Versammlungen.
- Helene Lange forderte 1888 Bildungsanstalten für Lehrerinnen.
- Fabrikarbeiterinnen mussten von früh bis spät im Laufschritt Kinder, Haushalt und Akkordarbeit verrichten.
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e) Das deutsche Reich wird Kolonialmacht
- Reichskanzler Bismarck lehnte lange Kolonien für Deutschland ab, weil deren Verwaltung hohe Kosten bedeutete.
- Bismarck erkannte die Spannungen mit den Nachbarstaaten bei der Beteiligung Deutschlands am Wettlauf um überseeische Besitzungen.
- Den jungen Kaiser Wilhelm II., Großindustrielle und Großgrundbesitzer begeisterte die Idee vom Deutschen Reich als Kolonial- und Weltmacht.
- Ab 1884 zogen deutsche Kaufleute, Forscher und Offiziere z.B. nach Kamerun, Togo, Deutsch-Südwestafrika und Deutsch-Ostafrika.
- Carl Peters hatte 1884 die „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“ gegründet und bemühte sich vor Engländern und Franzosen im Osten Afrikas Land von Stammesfürsten zu erwerben.
- 1890 erklärte die Regierung in Berlin das von Carl Peters erworbene Gebiet als Kolonie Deutsch-Ostafrika.
- Wenn die betrunken gemachten Stammesfürsten nicht in Carl Peters Verträge einwilligten, steckte man benachbarte Dörfer in Brand.
- Wilhelm Liebknecht (SPD) hinterfragte den Erwerb von Kolonien aus Gründen der Überproduktion und Überbevölkerung.
- Die SPD forderte eine Sozialreform und bessere Kaufkraft für die Arbeiter, dann würden sogleich mehr Waren im Inland gekauft.
- Die Afrikaner wurden als minderwertig betrachtet, denen man Kultur und Christentum brachte und die man bei Ungehorsam tötete.
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f) Bündnisse und Konflikte
- Kaiser Wilhelm II. präsentierte sich gern in Admiralsuniform, um die Bevölkerung für die Flotte zu begeistern.
- Reichskanzler Bismarck isolierte Frankreich durch geschickte Bündnispolitik mit Russland und Österreich-Ungarn sowie Italien.
- 1888 kam Kaiser Wilhelm II. an die Macht und fuhr einen neuen außenpolitischen Kurs, bei dem Deutschland eine Weltmacht sein sollte.
- Bismarck trat 1890 zurück und seine Nachfolger erneuerten nicht das Bündnis mit Russland.
- Kaiser Wilhelm II. stellte sich mit dem Aufbau einer großen Flotte und seiner Weltmachtpolitik bewusst in Konkurrenz zu England.
- Statt in Afrika in einen Konflikt zu geraten, schlossen sich die Engländer und Franzosen zur „Entente cordiale“ zusammen.
- Als England und Russland sich über Gebiete in Persien und Afghanistan einigten, war das Deutsch Reich isoliert.
- In einem Militärabkommen von 1892 versicherten sich Frankreich und Russland gegenseitige Unterstützung bei einem Angriff Deutschlands bzw. des Dreibunds.
- Die SPD wandte sich gegen die gigantische Flottenpolitik des Kaisers, wodurch die Arbeiterklasse ausgebeutet werde und die Reichen profitierten.
- Englands Regierung bewertete die deutsche Flottenpolitik als aggressiven Akt.
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g) Der Staat – ein Kasernenhof
- Deutschland um1900 war geprägt durch Militarismus, und wer gedient hatte, bekam leichtereinen Arbeitsplatz.
- Soldaten genossenhohes Ansehen, denn sie kannten auch Ordnung, Pflichterfüllung und Gehorsam.
- Der militärischeBefehlston war auch im zivilen Leben prägend.
- Der Adel, Befehlegebend in Verwaltung, Diplomatie und Militär, war Vorbild für das Bürgertum.
- Um 1900 warDeutschland die erfolgreichste Industrienation Europas und Produkte „Made inGermany“ gingen aus deutschen Häfen in alle Welt.
- HervorragendeUniversitäten und Forschungslabore zogen Wissenschaftler aus der ganzen Weltnach Deutschland.
- 14 von 32Nobelpreisen in Medizin, Physik und Chemie gingen zwischen 1901 und 1914 nachDeutschland.
- DerSchulunterricht fand damals in Deutschland nach der Methode des Kasernen-Drillsstatt.
- In Deutschland wardas Stadtbild durch Uniformen geprägt und auch die jungen Kaufleute tratenschneidig auf. 10
- Eine Deutsche Luftfahrt Aktien Gesellschaft bot Passagierfahrten mit den von Graf Zeppelinentwickelten Luftschiffen an, die Geschwindigkeiten von 125 km/h erreichten.
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h) Politische Parteien entstehen
- Die Verfassungdes Deutschen Reichs von 1871 gewährte dem Deutschen Kaiser folgenden Einfluss:Er ernannte und entließ den Reichskanzler und die Staatssekretäre, befehligtedie Streitkräfte, vertrat das Reich gegenüber dem Ausland und berief denReichstag ein bzw. löste ihn auf.
- 1871 war dasDeutsche Reich aus 25 Einzelstaaten von den regierenden Fürsten nach demEinsatz von „Blut und Eisen“ gegen Frankreich gegründet worden, wobei Preußenmit mehr als der Hälfte der Bevölkerung überwog.
- Von 1871-1890 warBismarck preußischer Ministerpräsident und Reichskanzler auf Beschluss desKaisers.
- Bismarckverachtete die „Schwatzbude“ der vom Volk gewählten Reichstags-Abgeordneten.
- Der Reichstaghatte die Macht, Gesetze vorzulegen und zu beschließen sowie den Haushalt zuverabschieden.
- Die Parteienwurden nach ihrem Sitz in der Nationalversammlung als „Links“ (SPD = fürArbeiter, Gegner der Monarchie), „Mitte“ (katholisches Zentrum und Liberale)oder „Rechts“ (Konservative) eingestuft.
- Ab 1871 durftenMänner über 25 Jahren nach allgemeinem, gleichem Wahlrecht wählen, allerdingsgalt das Dreiklassenwahlrecht.
- August Bebel(SPD) versprach den Arbeitern keinen schnellen Wandel der Machtverhältnisse,sah aber die Wahl als langfristige Methode zur Verbesserung der Situation desVolkes.
- Liberaleüberschätzten nicht die Macht der Volksvertretung, aber sahen in ihr doch einMittel gegen den willkürlichen Absolutismus der Regierung.
- Frauen führtenDemonstrationen durch und forderten das Wahlrecht, was ihnen aber erst 1918 gewährt wurde.
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i) Das Ruhrgebiet wird zur größten Industrieregion
- Während sich dieBevölkerungsdichte in Deutschland von 1810 bis 1900 von ca. 50 Millionen aufca. 70 Millionen Einwohner steigerte, verzehnfachte sie sich im Ruhrgebiet. 2.
- 'Wegen der großenNachfrage nach Kohle im Zeitalter der Industrialisierung entwickelte man neueTechniken um Kohle in tieferen Schächten – auch unter Einsatz vonDampfmaschinen - zu gewinnen.
- Mit Fettkohle(Koks) konnte man Eisenerz schmelzen.
- 1849 ging inMühlheim der erste Kokshochofen in Betrieb, dies war der Beginn der Eisen- undStahlindustrie im Ruhrgebiet.
- Um denArbeitskräftemangel zu beheben, warben Anwerber im Harz, in Schlesien, in denOstgebieten, auch Polen fürs Ruhrgebiet.
- Die 1811 gegründete Gussstahlproduktion von Friedrich Krupp in Essen wurde ab 1816 vonseinem Sohn Alfred fortgeführt.
- Krupps Gussstahlwar qualitativ bald mit englischem vergleichbar und die Erfindung des nahtlosenEisenbahnrads führte 1852 zu einem großen Anstieg der Firma.
- Krupp ließ aufdem riesigen Werksgelände Wohnsiedlungen und Versorgungseinrichtungen fürschließlich 30000 Menschen bauen.
- Mit werkseigenenMärkten, Schulen, Gas- und Wasserversorgungseinrichtungen sowie der Krupp’schenKonsumwelt ist hier eine „Stadt“ in der Stadt Essen entstanden.
- Durch die Anbindung an die Rheinische, Bergische und Köln-Mindener Bahn verfügte dieFirma Krupp über eine gute Infrastruktur.
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